Chronik RuFV Obernburg e.V

Gründung und erste Jahre

 

Die Gründung des „Reit- und Fahrvereins für den Landkreis Obernburg e.V. geht auf die Initiative von Erwin Bollinger, seinerzeit Oberinspektor bei der Stadt Obernburg, zurück. Im Jahr 1968 waren die mageren Nachkriegsjahre längst überwunden, Menschen aller Schichten konnten sich besonderen Freizeitbeschäftigungen zuwenden. Die bäuerliche Pferdehaltung und entsprechende Reitmöglichkeiten gab es noch, doch der Wunsch, sich gemeinsam nur zum sportlichen und geselligen Reiten zu treffen, brachte die Gründung. Der erste Vorsitzende wurde Erwin Bollinger, auf der Gründungsversammlung am 21.März 1968 wurde eine Vorstandschaft aus den ersten elf Mitgliedern gewählt. Der Verein war schnell gegründet, die Probleme kamen dann aber in Hülle und Fülle: Wo kommen Pferde her, wo findet man Ställe und Unterkunft für Futter, Materials und Ausrüstung? In der ersten Begeisterung hatte man nicht alles bedacht, vor allem nicht die Kosten. Eine eigene Anlage zu bauen wurde als unmöglich erkannt. Nach langem Suchen und Vorgesprächen fiel die Entscheidung für das Domizil „Neustädter Hof". Die Gutsbesitzerfamilie Höreth, die am Hof eine renommierte Gaststätte betrieb, konnte zur Aufnahme von Pferden und Reitern gewonnen werden. Leerstehende Kuhställe und Nebenräume, ein Heuboden und eine Wiese waren die ersten Vertragsteile einer langen und angenehmen Pachtzeit, die im 40. Jahr keine der beiden Seiten zu bereuen hat. Die Familie Höreth investierte auf die Zukunft nicht wenig Geld in den Umbau der Kuhställe, wo Pferdeboxen, Anbindeständer und eine Sattelkammer entstanden. Die ersten sechs Privatpferde konnten bereits im Juli 1968 einziehen und damit zunächst die Freizeitreiterei beginnen. Im Laufe des Jahres 1968 kamen noch einige Pferdebesitzer von auswärts als Mitglieder zum Verein, ebenso interessierte Pferdefreunde ohne eigene Pferde. Die verantwortliche Vorstandschaft kaufte wegen der hinzukommenden Mitglieder, die Reiten oder Reiten lernen wollten, ein erstes Vereinspferd, den Schimmel „Sassa". Dann musste das Provisorium Reitplatz angegangen werden. Mit großem Maschineneinsatz wurde in der Waldecke oberhalb der Hofgebäude eine Fläche von ca. 70 x 22 m planiert und eingezäunt und mit Sandgemisch belegt. Ab dann war ein geregelter Reitbetrieb möglich. Von August Gebhardt, einem ehemaligen Ausbilder bei der alten Wehrmacht, wurde der erste Reitunterricht erteilt. Die erfreulichen Zuwächse an Mitgliedern, Reitanfängern und „Begleitern" wurden in der Organisation des Vereins nicht entsprechend beachtet, die Geselligkeit war vorrangig, die Kosten wurden vernachlässigt. Schöne Feiern, ein großer Faschingsball im „Waldschlößchen" in Mömlingen, eine erste sportliche Veranstaltung, ein Reitertag im Frühjahr 1969 und sogar eine erste Fuchsjagd „Rund um das Obernburger Waldhaus" am 2.11.1969 verschafften dem Verein Aufmerksamkeit und Anerkennung bei den Nachbarvereinen. Anlässlich der Jahreshauptversammlung im März 1970 mussten die Rechnungsprüfer eine finanzielle Schieflage melden, die zur Ablösung der Gründungs-Vorstandschaft führte. Wegen der straffen Neuordnung und neu kalkulierten Preise und Beiträge verließen einige Mitglieder und Einsteller den Verein. Die Aufregung war schnell überwunden, neue Mitglieder und Pferdeeinsteller stellten die Mitgliederzahl nach „Bereinigung" der Listen auf knapp 200. Nach den zwei ersten Jahren, die mehr als Reitclub verlaufen waren, folgten wesentliche und rasche Schritte der neuen Vereinsleitung: Am 24. Mai 1970 wurde auf dem neu eingerichteten größeren Platz nahe der Mömlingbrücke das erste Turnier der Kat. C mit regulären Prüfungen und Richtern durchgeführt. In den Sommerferien hatte der erste Ferienreitkurs für Kinder dermaßen Zuspruch, dass ein zweiter nachgeschaltet wurde. Damit waren weitere Bevölkerungskreise auf den Verein aufmerksam geworden. Mit dem ersten großen Dressur- und Springturnier Kat. B am Wochenende 5. – 6. September 1970 auf dem Festplatz in Obernburg wurde die Öffentlichkeit einschließlich der Presse richtig auf uns aufmerksam, die Honoratioren aus Politik und Geschäftwelt kamen und verhalfen dem Verein zu beachtlichem Ansehen. Drei Winter 1968 bis 1970 ließen den Reitbetrieb fast ruhen. Mit dem erfreulichen Zuspruch war schon gleich nach dem Vorstandswechsel im Frühjahr 1970 eine Reithalle im Gespräch. Mit einer Satzungsänderung und einem neuen Finanzmanagement war es möglich, vom Finanzamt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit zu bekommen. Mit dem Beitritt zu den beiden Verbänden (Bayerischer Landessportverband und Verband der Reit- und Fahrvereine Franken) waren wir förderungswürdiger Sportverein geworden. Ein kühner Vorstandsbeschluss mit Zustimmung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung setzte noch im Jahr 1970 die „Aktion Reithalle" in gang. Auf vollen Touren liefen auch die übrigen Aktivitäten des Vereins: Interne Reiterwettbewerbe, Ausritte in die benachbarten Wälder und Zwei-Tages-Ritte (Kartause Grünau im Spessart und Otzberg im Odenwald) sowie die Teilnahme an auswärtigen Turnieren. Sie brachten in den Anfängerklassen erste Erfolge, bei geselligen Feiern wurden viele Freundschaften geknüpft und wichtige Kontakte geschlossen. Den Bauplatz für die Reithalle gab die Familie Höreth dem aufblühenden Verein bereitwillig in Erbbaupacht. Durch Vermittlung und freundschaftliche Kontakte stiftete uns Architekt Firsching aus Obernburg die Planung der Reithalle einschließlich der Ausschreibung und Bauleitung. Die Finanzierung wurde solide aufgestellt mit Staatszuschüssen, Geld vom Landkreis, Darlehen der Sportverbände, einer Bausteinspendenaktion, Bürgschaften der fünf Vorstandsmitglieder und einer Zwischenfinanzierung der Sparkasse. Mit Unterstützung des Mömlinger Landtagsangeordneten Ludwig Ritter hatten wir den für Staatszuschüsse damals zuständigen Staatssekretär Erwin Lauerbach zum Neustädter Hof „gelockt" und dabei die Wartezeit auf den Staatszuschuss erheblich abkürzen können. Die kalkulierte Bausumme betrug 167.750 DM, die Eigenleistung war dabei mit 11.000 DM angesetzt. Eine vorläufige Baugenehmigung erlaubte den Baubeginn noch vor dem Herbst, so konnte bereits am 22. Mai 1971 mit entsprechender Feier der Grundstein gelegt werden.Der Rohbau der Halle (das Skelett mit Dach) und Rohbau des Casinos waren schon im August 1971 fertig. Eine kleine tatkräftige Truppe von Mitgliedern schaffte es, die Seitenwände der Halle außen zu verkleiden, die spendierten Lampen mit E-Anschlüssen zu installieren und das Casino komplett auszubauen. Damit war man für den Winter 1971/72 bereits „unter Dach" und konnte am 2. Advent die Weihnachtsfeier mit großem Weihnachtsbaum in den eigenen vier Wänden abhalten.Ein großzügiger Sponsor in der Bauphase war die damalige Enka-Glanzstoff AG. Ausgediente, gut erhaltene Materialien und Gebäudeausrüstung vom Werk waren bei der Erstausstattung von Halle, Vereinsstall und Casino sehr hilfreich. Das erste Großturnier am 4.-5- September 1971 in Erlenbach a.M. wurde dank des Engagements der Werksdirektoren Dr. Gammert und Dipl.-Kfm. Ribka und mit professioneller Hilfe der PR eines Großbetriebes ein imposanter Auftritt.Der Reitbetrieb und der mittlerweile durch Herrn Höreth um zehn Boxen erweiterte Pensionsstall liefen fortan leider nicht immer problemlos. Wechselndes Personal (Reitlehrer und Stalldienst), steigende Löhne und Preise und wachsende Ansprüche der Pferdeeinsteller sorgten immer für reichliche Aufgaben der jeweiligen Vorstandschaft. Letzte Innenausbaumaßnahmen an der Reithalle waren im Frühjahr 1972 endlich angeschlossen und am 26. Mai 1972 Grund genug, die festliche Einweihung mit einem zweitägigem Reitertag am Neustädter Hof zu feiern.Mit steigender Mitgliederzahl, Überschüssen aus vielen Turnieren und Veranstaltungen, Verkauf von Werbeflächen und Einwerben von Spenden wurden die finanziellen Sorgen weniger. Neue Vorstände, Frauen und Männer der nachdrängenden Generation nahmen Verantwortung und Risiken auf sich. Was im gemeinsamen Wirken in langen Jahren investiert und erreicht wurde, darf als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Das nahezu unbelastete Vereinsmögen kann im 50. Jahr des Bestehens auf rund 500.000 Euro beziffert werden.

 Die 1. Vorsitzenden

1968 – 1970 Erwin Bollinger

1970 – 1976 Dr. Werner Polenz +

1976 – 1978 Klaus Graumann

1978 – 1980 Dr. Werner Polenz +                                                               1980 – 1984 Heinz Huber +

1984 – 2004 Dr. Jens Graumann

2004 – 2008 Vera Kirchgäßner

2008 - 2010 Tanja Zapparoli

2010 - heute Prof. Dr. Jens Graumann

Die Ehrenmitglieder

Dr. Werner Polenz +

Werner Heinze +

Klaus Graumann

Heinz Huber +

Heinz Schneider

Prof. Dr. Jens Graumann

Kurt-Jürgen Weber

Oskar Jakob

Die Reitlehrer

1968 – 1970 August Gebhardt

1970 Heinz Schüttler                                                                                      1970 – 1971 Wilhelm Risse

1971 – 1973 Harald Wenst

1973 – 1976 Gustav Wolf, Willi Horst

1976 – 2001 Heinz Schneider als Pächter

2001 – heute Siggi Haaf als Pächter

 

 Turniere

1969 Reitertag am Neustädter Hof (heutiger Springplatz)          

1970 Reitertag am Neustädter Hof

1971 Dressur und Springen bis L in Erlenbach (Nähe Schwimmbad)

1973 Dressur und Springen bis L am Neustädter Hof (erstmals mit neuem Springplatz am Wald)

1974 Dressur und Springen Kl. L am Neustädter Hof

1975 Dressur und Springen bis Kl. L am Neustädter Hof

1976 Dressur und Springen bis Kl. L am Neustädter Hof

1977 Dressur und Springen bis Kl. L am Neustädter

1978 Dressur und Springen am Neustädter Hof, 10 Jahre RuFV Obernburg, erstmals Springen Kl. M

1979 Dressur und Springen am Neustädter Hof, erstmals Dressur Kl. M

1980 Fahrturnier am Neustädter Hof

1983 Fahrturnier Vielseitigkeit Kl. A Zweispänner Pony + Großpferde, Theresienhof (Fam. Teves), Kirschfurt

1984 Fahrturnier wie 1983

1985 Fahrturnier Vielseitigkeit Kl. M Ponys + Großpferde Zweispänner, am Neustädter Hof unter Einbezug der Baumschule Geißler

1986 Fahrturnier Fränkische Meisterschaft Zweispänner Pony + Großpferde, Vielseitigkeit Kl. M, erstmals auf dem Obernburger Festplatz

1988 Fahrturnier Vielseitigkeit Pony + Großpferde Kl. S Zweispänner mit bundesweiter Beteiligung, Obernburg Festplatz

1989 Bayerische Meisterschaften der Fahrer, Vielseitigkeit Zwei- und Vierspänner Kl. S, Obernburg Festplatz

1990  Fahrturnier Dressur- und Hindernisfahren bis Kl. L Ein- und Zweispänner

1991 Bayerische und Baden-Württembergische Meisterschaften der Vierspänner, komplette Vielseitigkeit Kl. S Pony + Großpferde, Obernburg FestplatzFahrturnier

1993 25 Jahre RuFV Obernburg, Bayerische Meisterschaften der Vierspänner, Vielseitigkeit Kl. S Pony + Großpferde, Obernburg Festplatz

1996 Bayerische Meisterschaften der Vierspänner, Vielseitigkeit Kl. S Pony + Großpferde, Obernburg Festplatz                                                         1998 Fränkische Meisterschaften der Zweispänner,  Vielseitigkeit Kl. M Pony + Großpferde, Obernburg Festplatz                                                    2000 Süddeutscher Ländervergleichskampf der Zweispänner, Vielseitigkeit Kl. M Pony + Großpferde, Obernburg Festplatz                                 2002 Dressur und Springen bis Kl. L, am Neustädter Hof

2003 Dressur bis Kl. L, Springen bis Kl. M, mit Kreismeisterschaften, am Neustädter Hof

2004 Dressur bis Kl. L, Springen bis Kl. M

2005 Dressur und Springen bis Kl. M, mit Kreismeisterschaften, am Neustädter Hof

2006 Dressur und Springen bis Kl. M, erstmals Viereck 20 x 60 m, am Neustädter Hof

2007 Dressur und Springen bis Kl. M, am Neustädter Hof                           2008 40 Jahre RuFV Obernburg, Dressur und Springen bis Kl. M, mit Kreismeisterschaften, am Neustädter Hof

2009, Dressur und Springen bis Kl. M, am Neustädter Hof                             2010, Dressur und Springen bis Kl. M, mit Kreismeisterschaften, am

Neustädter Hof 

2011 Dressur und Springen bis Kl. M am Neustädter Hof

2012 Dressur und Springen bis Kl. M am Neustädter Hof

2013 Dressur und Springen bis Kl. M mit Kreismeisterschaften am Neustädter Hof

2014 Dressur bis Kl. S, Springen bis Kl. M am Neustädter Hof

2015 Dressur bis Kl. S, Springen bis Kl. M mit Kreismeisterschaften am Neustädter Hof

2017 Dressur und Springen bis Kl. S mit Kreismeisterschaften am Neustädter Hof

 

 

Bauprojekte

1968 Anlage des Reitplatzes am Wald

1969 Anlage des Reitplatzes an der Mömlingbrücke

22.05.1971 Grundsteinlegung Reithalle

1971 Fertigstellung der Reithalle noch vor dem Winter

1984 Kompletterneuerung der Reithallenbande

1988 Befestigung der Reithallenzufahrt und des Innenhofes

1995 Generalsanierung des Schulstalls durch Herrn Höreth, Generalsanierung der Reithalle (Innenwände, Akrylglas Hofseite, Außenwand Hofseite, Toilettenanlage)

1998 Neubau Strohschuppen am Waldplatz, Sanierung der Hauswasseranlage, Generalsanierung Casino (Theke, Decke, Küche)1999 Stallneubau gegenüber der Reithalle mit 6 Boxen, Umbau von 4 Ständern zu 2 Boxen

2001 Sanierung der Zisterne, Erneuerung der Hauswasseranlage, Einbau der Reithallenberegnung

2002 Neuanlage des Springplatzes, Bau des Richterturms

2003 Befestigung des Geländes hinter der Reithalle zwecks Aufstellung von 4 Außenboxen, Erneuerung der Lichtbänder im Reithallendach, Versorgung des Turnierplatzes mit Strom und Wasser

2005 Neuanlage des Waldplatzes mit Richterhaus

2007 Erneuerung der Heizung, Erneuerung der Fenster im Casino

2012 Erneuerung des Reithallendaches

2015 Renovierung der Reithallenbande, Erneuerung der Pumpe im Wasserwerk

2016 Reparatur der Leitung zum Brunnen, Erneuerung des Kessels im Wasserwerk

 

 

 

Klaus Graumann,  Prof. Dr. Jens Graumann